Erinnerungskultur in der DDR

… und warum wir Gedenken „besser machen“ wollen

Auch in diesem Jahr war der 13. Februar Anlass vielfältiger Diskussionen. Im Zuge dessen veranstalteten wir mit Unterstützung der DKP einen Stadtrundgang, bei dem die Erinnerungskultur der DDR inhaltlich beleuchtet wurde. Im Nachgang veröffentlichten wir einen Videobeitrag, womit wir auch die Aufmerksamkeit der Gruppe “Antifa Against Antisemitism” erhalten haben. Diese formulierten daraufhin in einem Instagram-Post neben realitätsfernen und antimarxistischen Angriffen auf die SDAJ auch eine “Kritik” am Gedenken der DDR.

Wir wollen die Gelegenheit nutzen, um mit einigen dieser Kritikpunkte aufzuräumen und darzulegen, welche Aspekte der DDR-Erinnerungskultur wir als fortschrittlich bewerten und für uns in der heutigen Zeit einen positiven Bezugspunkt darstellen.

Von der DDR eine widerspruchsfreie und vollendete Erinnerungskultur zu erwarten, hieße einen realen sozialistischen Staat an einem ahistorischen Ideal zu messen.

Gemessen werden muss die DDR aber an ihrem Staatszweck, der Versöhnung mit den slawischen Völkern angesichts des faschistischen Vernichtungskrieges im Osten. Und an ihren realen Grundlagen: einer Bevölkerung, in der antislawischer Rassismus nicht nur in den zwölf Jahren der Hitler-Diktatur auf das Bewusstsein der Deutschen einwirkte, sondern der als Ressentiment bis in die Sozialdemokratie hinein bereits seit dem Kaiserreich existierte.

Angesichts dieser Tatsachen hätte eine staatlich unbegleitete, individuell freie Erinnerungskultur vor allen Dingen das Erwachsen von Revanchistenverbänden und unerträgliche Geschichtsrelativierung bedeutet.

In den letzten Jahren hat sich um den angeblichen Opfermythos in der DDR selbst so etwas wie ein Mythos entwickelt, der sich kaum auf Fakten stützen kann, sondern sich an einzelnen Wörtern aufhängt und der selbst gar nicht hinterfragt werden soll. Das machen wir aber.

An der Schuld der Deutschen am Zweiten Weltkrieg als Ursache der Bombardierung Dresdens wurde in der DDR nie ein Zweifel gelassen, weder in den Lehrbüchern noch in der Presse oder in den Reden zu den Gedenktagen am 13. Februar.

Bereits in den 50er Jahren nahm der Faschismus mehr als doppelt so viel Raum im Geschichtsunterricht ein als in der BRD. Der Besuch von Konzentrationslagern war verpflichtend, während es in Westdeutschland nicht einmal adäquate Gedenkstätten gab. Nahm die Shoa im Vergleich zur Verfolgung der Sozialisten und Kommunisten vielleicht nicht den gebührenden Umfang ein, so wurde sie im Gegensatz zum kapitalistischen Nachbarn wenigstens überhaupt thematisiert.

Richtig ist, dass gemäß der historisch-materialistischen Weltanschauung nicht das deutsche Volk als Kollektivsubjekt, sondern Klassen und ihre Fraktionen für Vernichtungskrieg und Judenmord verantwortlich gemacht wurden. Das ist nicht nur richtig [1], sondern auch verständlich, wenn man bedenkt, dass deutsche Antifaschist*innen, die selbst in den Konzentrationslagern der Hitlerfaschisten saßen, zu den wesentlichen Gründungsvätern des Staates zählten. Richtig ist auch, dass es von Seiten interessierter Kreise, selbst von unteren Parteiebenen der SED immer mal Versuche gegeben hat, die Schuld der Deutschen am Zweiten Weltkrieg zu relativieren. Allerdings wurden diese Versuche meist schnell und kompromisslos von den höheren Leitungsorganen eingedämmt.

Und richtig ist, wie bereits erwähnt, dass die Sonderstellung der Shoa unter den faschistischen Verbrechen erst sehr spät Widerhall in der Historiographie der DDR fand.

Wie in der BRD bildete die Fernsehserie „Holocaust“ – die sehr positiv aufgenommen wurde, während faschistische Terroristen aus Protest Sendemasten der ARD absägten – ein Initialerlebnis. Der nun wachsenden Beschäftigung mit der Shoa machte nur das Ende der DDR ein Strich durch die Rechnung.

Die Kritik am Dresden-Gedenken in der DDR stützt sich heute im Wesentlichen auf die Verwendung des Begriffs des „angloamerikanischen Bombenterrors“. Aber erstens wurde der Begriff weit weniger strukturell benutzt als heute gerne dargestellt. 

Ein einfacher Blick ins ND-Archiv zeigt, dass er in ganzen vier Artikeln im Kontext mit der Bombardierung Dresdens vorkommt; einmal pro Jahrzehnt.

Auch ging es nicht um eine Relativierung faschistischer Verbrechen, sondern um eine Kritik an der zunehmend hochtechnisierten Kriegsführung. Das Flächenbombardement galt als ein Mittel, das den in Pilotenuniform gesteckten Soldaten völlig von den Konsequenzen des Tötens loslöste. Dem Feind wurde selbst die Möglichkeit von Einsicht und Kapitulation genommen. Auf Grund der Tatsache, dass ohne wesentliche eigene Verluste tausende von Menschen umgebracht werden konnten, wurde befürchtet, dass Krieg als Mittel der Politik zu schnell eingesetzt werden könnte. Ein solches Mittel sei nicht an den gerechten Krieg wie den gegen Deutschland gebunden, sondern die Keimzelle der imperialistischen Kriegsführung gegen die antikolonial kämpfenden Völker des globalen Südens.

Die Gleichung lautete nicht Nazis = Westalliierte, sondern Dresden–>Hiroshima/Nagasaki–>Korea–> Vietnam. So wurde der Begriff insbesondere während des Koreakrieges und Vietnamkrieges benutzt. Analogien zur Kritik Industrialisierung, Ökonomisierung und Entsubjektivierung des Mordens durch die Frankfurter Schule lassen sich leicht finden. Folglich rief auch Theodor W. Adorno 1963 dazu auf,  die Erinnerung an die Bombardierung aufzugreifen, um gegen Krieg und Faschismus zu mobilisieren: “So vergessen aber sind Stalingrad und die Bombennächte trotz aller Verdrängung nicht, daß man den Zusammenhang zwischen einer Wiederbelebung der Politik, die es dahin brachte, und der Aussicht auf einen dritten [Welt]krieg nicht allen verständlich machen könnte. Auch wenn das gelingt, besteht die Gefahr fort. Aufgearbeitet wäre die Vergangenheit erst dann, wenn die Ursachen des Vergangenen beseitigt wären.” [2]

Dass diese Hauptlehre aus der Bombardierung Dresdens von heutigen Historikern, Politikern und Aktivisten nicht einmal mehr verstanden, geschweige denn geteilt wird, ist ein bedauernswerter Zustand. Denn gerade heute steigt die Kriegsgefahr so rasant wie lange nicht mehr. Deutschland will gemeinsam mit der EU weitere 700 Milliarden Euro in den imperialistischen Stellvertreterkrieg in der Ukraine pumpen und damit weiter eine direkte Beteiligung riskieren. Die Kosten werden auf die Arbeiterklasse sowie die lernende und arbeitende Jugend abgewälzt: Marode Brücken und Schulen, die Schließung wichtiger sozialer Einrichtungen, und steigende Armut sind Folgen des Kriegskurses.

Wenn wir also nach positiven Bezugspunkten am 13. Februar-Gedenken in der DDR suchen, dann nicht, weil Marx und Lenin auf unsere Anbetung hin mit dem Befehl, die Gedenkpraxis bindungslos und unhinterfragt in die heutige Zeit zu übertragen, antworteten. Sondern wir wollen der Ohnmächtigkeit der deutschen Linken angesichts Militarisierung und Rechtsentwicklung in der BRD etwas entgegensetzen. Im Zusammenhang mit dem 13. Februar halten wir die Forderung „Gedenken abschaffen“ für kontraproduktiv und nicht gesellschaftlich tragfähig. Stattdessen wollen wir unsere Forderungen dem entgegenstellen: 

– Wiedereinführung der Wehrpflicht stoppen!

– 100 Milliarden für Bildung und Soziales statt für Bomben und Panzer

– Nein zur Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Deutschland!

– Deutschland raus aus der NATO – NATO raus aus Deutschland!

– Enteignung der Rüstungsindustrie Umwandlung in zivile Produktion

– Verbot und Zerschlagung aller faschistischen Organisationen und Parteien

– Der 8. Mai muss Feiertag werden!

Quellen:

[1] Kurt Gossweiler, „Großbanken, Industriemonopole und Staat: Ökonomie und Politik 1914 bis 1932“. Köln: PappyRossa Verlag, 2013

[2] Theodor W. Adorno, „Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit,“ in Eingriffe. Neun kritische Modelle. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1963, S. 125-46.

Dresden mahnt: Faschismus und Imperialismus heißt Krieg!

Vor 80 Jahren wurde Dresden von anglo-amerikanischen Bombern zerstört.

Zwischen dem 13. und 15. Februar 1945 hatten britische und US-amerikanische Luftstreitkräfte die Stadt Dresden bombardiert. Mindestens 25.000 Menschen starben. Dresden war eine wichtige Garnisonsstadt und ein infrastrukturelles Zentrum für die Versorgung der Front im Osten. Auch Deportationen in die Vernichtungslager im Osten waren über die Bahnhöfe der Stadt abgewickelt worden. Die Nazis nutzten die Angriffe für ihre Propaganda, indem sie den Mythos der „unschuldigen Kunststadt“, Geschichten über angebliche Tieffliegerangriffe und völlig überhöhte Zahlen von bis zu 250.000 Todesopfern in die Welt setzten.

Diese Legenden halten sich bis heute in der Stadt. Auch an dem folgenden Wochenende werden rund um den 13. Februar Alte und Neue Nazis nach Dresden kommen, um ihre faschistische und geschichtsrevisionistische Propaganda auf die Straße zu tragen.

Hier gibt es aktuelle Infos zum Demo-Geschehen: https://linktr.ee/dresdenwiedersetzen

Nachfolgend empfehlen wir folgende Literatur zum Thema: Inferno Dresden : über Lügen und Legenden um die Aktion „Donnerschlag“ von Walter Weidauer.

In diesem Buch setzt sich der Autor mit den Lügen und Legenden um die Aktion »Donnerschlag«, die verbrecherische Aktion zur Zerstörung der für den Kriegsverlauf völlig unwichtigen Stadt Dresden, auseinander.

Neues Deutschland. Organ des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Berliner Ausgabe „Vorwärts“. Jahrgang 10 (66), Nr. 37 vom Sonntag, 13. Februar 1955 (Seite 3)

DRESDEN MAHNT UNS

Der Jahrestag der Zerstörung Dresdens durch USA-Bomber/Kampftag für Frieden, Einheit und ein glückliches Leben

Sie waren dabei

Professor Mauersberger:
Ein grauenvolles Bild
Nach dem ersten Angriff, um 10 Uhr abends, den ich wie alle Bewohner meines Hauses in der Johann-Georgen-Allee verbrachte, versuchte ich mit einem Schüler, der ebenfalls im Hause wohnte, noch zu retten, was zu retten war. Alle anderen Hausbewohner waren nicht mehr zu sehen.
Ich wollte durch den Blüherpark zur Kreuzschule vordringen… Auf der Bürgerwiese jedoch kam mir ein Soldat entgegengerannt und forderte mich auf, mich sofort hinzuwerfen mit den Worten, ob ich denn nicht sähe, daß alles voller „Christbäume“ stünde. In dem selben Augenblick begann der zweite, viel furchtbarere Angriff. Ich blieb also auf der Bürgerwiese, etwa 200 bis 300 m vor der Kreuzschule, auf offener Straße ohne jede Deckung liegen und hörte das Krachen der Luftminen und Sprengbomben und das Einstürzen der Häuser. An ein Weiterkommen zur Kreuzschule war nicht zu denken.
Als der Angriff vorüber war, sah ich überhaupt keine Häuser und Bäume mehr, noch irgendwelche Menschen, konnte aber auch da nicht zur Kreuzschule durchdringen, weil der dicke Rauch mir den Atem verschlug. Ich rannte zurück, wie- derum durch den Blüherpark, wo es auch lichterloh brannte, auf die Johann-Georgen-Allee, wo inzwischen die Tiefflieger mit Maschinengewehren in die dort hockende Menge hineingeschossen hatten. Ein grauenvolles Bild – und dazu das furchtbare Stöhnen der Verwundeten! Der Junge, mit dem ich zuletzt noch einiges aus dem Hause zu bergen versucht hatte, stand vor der brennenden Leiche seiner Mutter.
Als ich endlich zur Kreuzschule kam, war alles menschenleer und wie ausgestorben. Das Gebäude brannte noch.

Gerhart Hauptmann:
Ich weine
Wer das Weinen verlernt hat, der lernt es wieder beim Untergang Dresdens. Dieser heitere Morgenstern der Jugend hat bisher der Welt geleuchtet. Und ich habe den Untergang Dresdens unter den Sodom-und-Gomorrha-Höllen der englischen und amerikanischen Flugzeuge persönlich erlebt. Wenn ich das Wort „erlebt“ einfüge, so ist mir das jetzt noch wie ein Wunder. Ich nehme mich nicht wichtig genug, um zu glauben, Saturn habe mir dieses Entsetzen gerade an dieser Stelle in dem fast liebsten Teil meiner Welt ausdrücklich vorbehalten.
Ich stehe am Ausgangstor des Lebens und beneide alle meine hohen Geisteskameraden, denen dieses Erlebnis erspart geblieben ist.
Ich weine. Man stoße sich nicht an dem Wort Weinen. Die größten Helden des Altertums, darunter Perikles und andere, haben sich seiner nicht geschämt.
Von Dresden aus, von seiner köstlich gleichmäßigen Kunstpflege in Musik und Wort, sind herrliche Ströme durch die Welt geflossen, und auch England und Amerika haben durstig davon getrunken. Haben sie das vergessen?

Tänzerin Gret Palucca:
Das darf sich nicht wiederholen
Ich kämpfte mich gegen den immer stärker werdenden Feuersturm bis zur Bürgerwiese durch. Dabei kam ich an einem ziemlich tiefen Trichter vorbei, in dem eine Menge Menschen neben- und übereinander lagen. Das war ein grauenhafter Anblick. Unter den Toten bewegten sich noch Lebende; ich hörte sie vor Schmerzen stöhnen und begriff, daß ihnen nicht zu helfen war, daß der Trichter wohl auch das Grab für diejenigen werden würde, die im Augenblick noch lebten.
So wie viele tausend Menschen suchte ich in den Großen Garten zu gelangen…
Als ich den Großen Garten erreichte, fand ich an Stelle der erhofften Sicherheit ein wahres In-Inferno vor. Viele der alten Bäume brannten, die ebenfalls brennenden Wiesen sahen wie leuchtende Teppiche mit sich schlängelnden dunklen Mustern aus. Diese Muster aber waren tote oder vor Schmerzen sich windende und brüllende Menschen. Tausende suchten dem Inferno zu entkom-men, brachen zusammen, erhoben sich mühsam, versuchten noch ein paar Meter weiterzukommen, und blieben doch wieder hilflos liegen…
Nie in meinem Leben kann ich die Erlebnisse jener Zeit vergessen. Sie sollten immer als Menetekel vor den Augen aller Menschen stehen, damit dieses von barbarischen Menschenhirnen erdachte und von grausamer Menschenhand ausgeführte Verbrechen sich nicht mehr wiederhole.

Wer sind die Schuldigen?

Dokumentarischer Nachweis über das anglo-amerikanische Verbrechen

Am 6. Februar 1945 fand eine Besprechung des stellvertretenden britischen Kriegsministers mit dem Oberkommandierenden der anglo-amerikanischen Luftstreitkräfte Harris statt. Der bekannte englische Physiker P. M. S. Blackett hat in seinem Buch „Atomical Energy“ das Gespräch der beiden Militärs wiedergegeben. Hier die entscheidenden Sätze:

„Der Panzervorstoß der Roten Armee hat eine beunruhigende Situation geschaffen`, so griff Luftmarschall Harris eine Anregung aus Washington auf. ,Die Straßen- und Eisenbahnverbindungen vom Osten nach Mitteldeutschland und der Tschechoslowakei laufen in Dresden zu sammen. Durch seine Zerstörung würde ein neuralgischer Punkt für die Sowjets entstehen. Ihr Vormarsch würde erschwert und verlangsamt werden. Das würde für die Sowjets Schwierigkeiten für noch geraume Zeit bedeuten ,,..“

Genau sechs Tage später sank unter einem Bombenhagel anglo-amerikanischer Luftbanditen der Stadtkern der alten deutschen Kunstmetropole Dresden in Schutt und Asche

*

Wenn heute Washington und Bonn ungeachtet der Tatsachen der Welt einreden wollen, die Sowjetunion habe die Zerstörung Dresdens veranlaßt, so richten sich diese erbärmlichen Lügner nur selbst. So offenkundig sind die Tatsachen, daß selbst einsichtige bürgerliche Blätter Westdeutschlands sich weigern, den Schwindel mitzumachen.

Als „eine armselige Entschuldigung“ bezeichnete die „Passauer Neue Presse“ am 14. Februar 1953 die verlogene amerikanische Behauptung. Die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb am 22. Februar 1953:

„Die Verlautbarung des amerikanischen Außenministeriums, daß Dresden 1945 auf Anforderung der Sowjets bombardiert wurde, um zu verhindern, daß Truppenverstärkungen durch Dresden geleitet werden, widerspricht den Tatsachen. Zu diesem Zweck hätte man sich auf das Eisenbahnnetz beschränken können.“ 

*

Jedem, der die militärische Situation vom Februar 1945 nur einigermaßen kennt, ist klar, daß es für den Terrorangriff auf Dresden keinerlei militärische Notwendigkeit gab und keinerlei Rechtfertigung geben kann.

Hitlerdeutschland lag zu dieser Zeit bereits geschlagen am Boden. In Dresden konnte man schon den Geschützdonner der herannahenden Sowjetarmee hören. In den am 13. Februar zerstörten Stadtteilen gab es keinerlei militärische Objekte von Bedeutung, aber Zehntausende von Einheimischen und Flüchtlingen verstopften die Stadt.

Die von P. M. S. Blackett wieder gegebene Unterredung zeigt unwiderleglich, wer die Schuldigen an der Zerstörung Dresdens sind und welchen Zielen dieses scheußliche Verbrechen diente:

Es sind die anglo-amerikanischen Kriegstreiber, die den Vormarsch der Sowjetarmee als „beunruhigend“ empfanden,

Es sind die gleichen Kräfte, die sich heute mit den alten Hitlergeneralen verbünden und mit Hilfe der Pariser Kriegspakte einen neuen, ungleich schrecklicheren Weltbrand vom Zaune brechen wollen!

In dem kürzlich erschienenen Buch von Max Seydewitz, „Zerstörung und Wiederaufbau von Dresden“, werden neue Tatsachen genannt, die nicht nur dokumentarisch das anglo-amerikanische Verbrechen an Dresden, sondern auch die Zusammenarbeit der USA- Imperialisten mit den Hitlerfaschisten nachweisen.

Dafür ist besonders die Rolle des amerikanischen Agenten Noble kennzeichnend.

Wer war dieser Noble? 1936 als Vertrauensmann der amerikanischen Ford-Werke und Verbindungsmann zu den IG-Farben nach Deutschland gekommen, kaufte sich Noble in Dresden einen Betrieb, in dem hundert Arbeiter beschäftigt waren. Noble hatte sehr schnell gute Beziehungen zu führenden Faschisten, und unter der Tarnung eines biederen Geschäftsmannes betrieb er in der Folgezeit Spionage. Dieser Agent war es, der nicht nur mit geheimen Funkanlagen den Luftangriff auf Dresden dirigierte, sondern auch solche Ver- brecher wie den „Gauleiter“ Mutschmann rechtzeitig warnte, daß sie unmittelbar vor dem 13. Februar sich in Sicherheit bringen konnten. Da- für, daß Noble den Naziführern für die Zeit nach der Kapitulation Unterstützung zusagte, beauftragte Goebbels seinen sächsischen „Gauleiter“, „die Verbindung zu Noble nicht abreißen zu lassen“, denn der Mann ist nicht mit Gold zu bezahlen“ (!).

Es ist offensichtlich, zu welchen Zwecken die amerikanischen Imperialisten und die Bonner Militaristen ihr Verbrechen an Dresden zu leugnen versuchen: Das ganze soll mit dazu helfen, unser Volk für einen neuen Krieg reifzumachen.

Aber zu genau sind die Schrekkensnächte von Dresden, Berlin, Köln und der vielen anderen Städte noch im Gedächtnis unseres Volkes. Zu genau sind die barbarischen Pläne zur Vorbereitung eines dritten Weltkrieges bekannt!

Ein dritter Weltkrieg wird und kann verhindert werden – wenn wir es nur alle wollen und dafür kämpfen.

H. Sta.

Auch Genossen der DKP gedachten auf dem Heidefriedhof in Dresden am FIR-Obelisk den Opfern von Krieg und Faschismus.

Gedenken an die ermordeten Antifaschisten im Keglerheim

Nach einer antifaschistischen Demonstration am 25. Januar 1933 mit knapp 1.200 Teilnehmenden fand am Abend im Saal des Keglerheims in der Friedrichstraße eine vom „Kampfbund gegen den Faschismus“ organisierte Versammlung unter den Augen der örtlichen Polizei statt. An der Versammlung nahmen zwischen 600-800 Personen teil. 

Eine Aufforderung des Redners zum Widerstand gegen die nationalsozialistische Gewalt wurde vom zuständigen Polizeikommissar als Aufruf zur Gewalt gedeutet und führte zur Auflösung der Versammlung durch die Polizei. Dabei schoss die Polizei in die Menge, es wurden neun Menschen getötet und zwölf weitere schwer verletzt wurden. Das Versagen der Polizei wurde in einer Landtagssitzung bestätigt. An der Beisetzung beteiligten sich über 30.000 Mann zu einem überwältigenden Kampfaufmarsch gegen Reaktion und Faschismus. 

Wir wollen am:

26.01.2025, um 10 Uhr 

an der „Gedenktafel Keglerheim“ (Kreuzung Weißeritzstraße und Friedrichstraße) in Dresden

der neun ermordeten Antifaschisten gedenken. 

Zu den neun Toten zählen:

Fritz Domaschke

Walter Liebscher

Paul Eichhorn

Paul Maiwald

Kurt Förster

Richard Michel

Kurt Göbel

Adolf Sommerfeld

Herrmann Koch

Auch die „Arbeiterstimme“ (Tageszeitung der KPD – Bezirk Ostsachsen) berichtete am 1. Februar 1933 von dem gewaltigen Kampfaufmarsch.

Ueberwältigender Aufmarsch

30000 marschieren in kampfbereiter Einheitsfront

Gegen weißen Terror und faschistische Hitler-Diktatur. In endlosen Sturmkolonnen defilieren die Dresdner Antifaschisten an den Särgen der Blutopfer des schwarzen Mittwoch vorüber SPD- und Reichsbanner-Arbeiter zu Tausenden mit ihren kommunistischen Klassengenossen in proletarischer Kampfeinheit verbunden. Jetzt vorwärts in Betrieben und an Stempelstellen zu Masseneinheitsfront-Aktionen gegen die faschistische Hitler-Diktatur!

Dresden, 31. Januar. (Eig. Bericht.)

Gestern wurden die am vergangenen Mittwoch von Polizeikugeln dahingerafften Dresdner Arbeiter zu Grabe getragen. Ihre Beisetzung gestaltete sich zu einem überwältigenden Kampfaufmarsch der Dresdner Arbeitermassen, die den Opfern des blutigen Massakers in der Zahl von über 30 000 Mann das letzte Geleit gaben.

Das war aber kein Trauerzug, sondern eine wuchtige Kampfansage an die für das vergossene Arbeiterblut Verantwortlichen und eine Kampfansage zugleich an die faschistische Hitlerdiktatur, die der Arbeiterklasse mit verschärften faschistischen Angriffsmethoden entgegentreten will. Diese Kampfansage wurde noch durch eine große Anzahl von Prosteststreiks bekräftigt, die anlässlich der Beisetzung der Dresdner Opfer durchgeführt wurden.

Der wuchtige Massenaufmarsch anläßlich der Beerdigung der Dresdner Opfer des weißen Terrors war ein eindeutiges Zeichen der Kampfentschlossenheit der Arbeitermassen, die bei dieser Beerdigung in roter Einheitsfront aufmarschierten.

Unter den 30.000 Demonstranten marschierten Reichsbannerarbeiter und SPD-Arbeiter zu Tausenden mit ihren kommunistischen Genossen.

So offenbarte sich in diesem Aufmarsch zugleich der wachsende Wille der Arbeiter zur kämpfenden Einheitsfront, die es jetzt im Kampfe gegen das faschistische Diktaturkabinett Hitler-Papen-Hugenberg, im Kampfe gegen die blutige faschistische Unterdrückung der Arbeitermassen noch fester und schlagkräftiger zu formieren gilt.

Ein einziger Tag hatte genügt um das Massenheer der 30 000 Antifaschisten zu mobilisieren. Erst am Sonnabendnachmittag wurde der Tag der Beerdigung und erst am Montagnachmittag die Genehmigung der Demonstration bekannt. Und dennoch marschierten die Arbeiter gestern in so riesiger Zahl nach dem Johannisfriedhof in Tolkewitz, nachdem der Anmarsch zur Beerdigung unter dem gewaltigen Massendruck der Arbeiter freigegeben werden mußte. So wurde durch bie Mobilisation der Betriebsbelegschaften und Stempelstellen das über Dresden verhängte Demonstrationsverbot durchbrochen und

die Straße für die antifaschistischen Kampfbataillone anläßlich der Beisetzung unsrer erschossenen Klassengenossen erobert.

Bereits gegen Mittag wurde die Stadt von den zum Sammelplan ziehenden Arbeitermassen regelrecht überflutet und in der Stübelallee hatte sich alsbald ein riesiger, schier endloser Zug formiert. Als sich dieser Zug in Marsch setzte, fluteten noch immer neue Arbeitertrupps herbei und so wuchs der Massenzug zu einer großen, die ganze Stübelallee füllenden Menschenschlange.

In den Arbeitervierteln, die von der Massendemonstration berührt wurden, stauten sich gewaltige Menschenmassen, die die Demonstration mit erhobener Faust begrüßten. Unmittelbar vor dem Zugang zum Johannisfriedhof waren diese Massen direkt unübersehbar.

Es mögen noch einige weitere Zehntausende gewesen sein, die den Demonstrationszug der 30 000 flankierten,

und die ihm den stummen Kampfgruß der gerechten proletarischen Faust entgegenbrachten.

Auf dem Johannisfriedhof in Tolkewitz

erlebte der Massenaufmarsch seinen Höhepunkt in einem stundenlangen Vorbeimarsch an den dort ausgestellten Särgen der Opfer des Polizeimassakers. Der Kampfbund gegen den Faschismus, die Rote Wehr, der Sozialistische Schutzbund, Reichsbanner-Arbeiter und Proleten der Eisernen Front bildeten ein den ganzen Friedhof durchziehendes Spalier, durch das sich die antifaschistischen Sturmkolonnen der Dresdner Arbeiter hindurchwälzten.

Im gleichen Schritt defilierten sie mit trauerumflorten Kampfbannern und mit gereckter Faust an den Särgen, die ihre erschossenen Klassenbrüder bargen, vorüber. Vielfach marschierten Reichsbannerarbeiter auch direkt inmitten kommunistischer Arbeiter, mit denen sie sich im Angesicht der Opfer des weißen Terrors verbrüderten. Unter den revolutionären Marschkolonnen rückte eine Betriebsdelegation nach der anderen mit heran. Sowohl die Dresdner Betriebe als auch zahlreiche Betriebe sonstiger sächsischer Städte wie Chemnitz und Leipzig hatten starke Betriebsdelegationen entsandt. Aber auch aus allen Teilen des Reiches waren Kranzdelegationen zur Beisetzung der erschossenen Arbeiter erschienen. Viele von ihnen waren trotz des argen Frostes und der grimmen Kälte sogar per Fahrrad nach Dresden […], um an der Beerdigung der Blutopfer des Polizeimassakers teilnehmen zu können.

Zwei und eine halbe Stunde dauerte der Vorbeimarsch des riesigen Zuges, dessen Fahnen und Kranzdelegationen jeweils an den Särgen einschwenkten. Nach der Beendigung des Aufmarsches erfolgte dann schließlich

die Beisetzung der Erschossenen im Massengrab

Unter den Klängen des russichen Trauermarsches wurden die Särge zur Gruft getragen, um die sich die tausendköpfige Zahl der Delegationen mitsamt der Angehörigen geschart hatte. Als der letzte der Toten in das Grab gesenkt wo worden war, war schließlich die Dunkelheit hereingebrochen und im Schein von Fackeln ging nunmehr die Kampfkundgebung am Massengrabvonstatten.

Als erster Redner ergriff

Genosse Ferlemann

das Wort, der im Namen des Zentralfomitees der KPD und im Namen der Bezirksleitung Sachsen an der Gruft der erschossenen Klassenbrüder zu den Massen sprach. Er führte etwa aus:

„In dieser Stunde gedenkt das ganze deutsche Proletariat der blutigen Vorgänge, die sich in Dresden abgespielt haben. In diesen Ereignissen, in jenem unerhörten Massaker der Polizei äußert sich die ungeheure und schnelle Steigerung der faschistischen Angriffsmethoden der Bourgeoisie. Insofern sind unsere toten Kameraden Blutzeugen der gewaltigen Verschärfung der faschistischen Diktatur, gegen die der letzte Arbeit mobil gemacht werden muß. Der heutige Aufmarsch zeigt das stürmische Wachstum der revolutionären Einheitsfront, die wir nunmehr im Kampfe gegen das faschistische Diktaturregime weiter entwickeln und noch mehr stärken müssen. Den Angehörigen unserer erschossenen Klassenbrüder sei gesagt, daß ihnen in dieser Stunde nicht nur die Dresdner Arbeitermassen, sondern das ganze deutsche Proletariat die Hände in stummer Trauer drückt. Wir geloben am Grabe unserer toten Kameraden, daß ihr Blut nicht vergeblich geflossen sein wird!“

Nach dieser mit größter Andacht aufgenommenen Rede des Vertreters der Battel spricht im Auftrage des Zentralvorstandes und der Landesleitung der Roten Hilfe

Genosse Schön,

der u. a. erklärt: „In den letzten Jahren sind Hunderte von Arbeitern dem weißen Terror zum Opfer gefallen. Wenn wir heute am Grabe der Opfer des schwarzen Mittwoch stehen, so in dem Bewusstsein, daß wir das Werk, für das sie starben, vollenden werden!“

Nunmehr schwang sich Franke vom Reichsbanner zu einer kurzen Rede auf, die vollkommen unter dem Eindruck der Empörung der zu Tausenden aufmarschierten SPD-Arbeiter über den weißen Terror gehalten wurde. Diese SPD-Arbeiter dürften aber gerade angesichts solcher billigen und ihrer Stimmung angepaßten Worte nicht vergessen, daß es die sozialdemokratische Gewerkschaftsbürokratie war, die den Aufruf zur Sabotage des Proteststreiks ergehen Iies und daß es die SPD-Presse war, die die Blutopfer immer wieder auf das Konto kommunistischer „Provokation“ verbuchen wollte. Die sozialdemokratischen Klassengenossen müssen erkennen, daß sie den gestern gemachten Anfang zur kämpfenden Einheitsfront, aller Sabotage ihrer Führer zum Trotz, weiter entwickeln müssen.

Nach einer kurzen Rede eines Vertreters des Sozialistischen Schutzbundes schloß

Genosse Beyling

die Kunbgebung zum Gedenken der von Polizeikugeln dahingerafften Arbeiter mit folgendem Kampfappell:

„Genossen! Reckt die Faust! Nicht gesalbte Reden verlangt die Stunde von uns. Heute haben wir an der offenen Gruft unserer erschossenen Kameraden gelobt, ihr Werk zu vollenden und ihre Lücken millionenfach auszufüllen. Morgen gilts der immer frecher austrumpfenden faschistischen Reaktion entgegenzutreten und alle ihre Pläne durch die Entfesselung der Massenkraft des Proletariats und deren vollen Einsatz zu durchkreuzen. Darauf kommt es an! Tut im Betrieb und an der Stempelstelle eure Pflicht! Macht die Arbeiterklasse zum Kampf mobil und wendet euch gegen alle, die euch daran hindern wollen. In diesem Sinne erfüllt das Vermächtnis unserer toten Kameraden und bekräftigt euren Kampfschwur mit dem uns alle verpflichtenden Kampfruf Rot Front!“

Dröhnend erschallte das Echo über den weiten Friedhof und unter dem Massengesang der „Internationale“ leerte sich dann in der Abendstunde der Friedhof.

Betriebsbelegschaften geben der Demonstration das Gepräge

Der machtvolle Kampfaufmarsch der Dresdner Arbeiterschaft stand völlig im Zeichen der geschlossen demonstrierenden Belegschaften und Betriebsbelegationen, die zum Teil mit ihren Fahnen und Transparenten erschienen waren. Als sich der Zug schon lange in Bwegung gesetzt hatte, schlossen sich ihnen Belegschaften und Delegationen an. So erwarteten an der Schandauer Straße die Arbeiter der in der Nähe liegenden Betriebe die Demonstration, um sich mit einzureihen Die starke Beteiligung der Arbeiterinnen und Arbeiter der Zigarettenfabrik Jasmatzi wirkte besonders einbrucksvoll.

Die unzähligen Betriebsbelegationen waren gleichfalls auf breitester Einheitsfrontgrundlage gebildet. So befanden sich unter der in einer Betriebsversammlung der Belegschaft von Bergmann & Cie gewählten Delegation drei sozialdemokratische Betriebsräte, zwei parteiliche Arbeiter und zwei Kommunisten. In der Zeit von 15 bis 15.30 Uhr fand im Speisesaal eine Feier der Belegschaft statt, an der sich auch alle Angestellten geschlossen beteiligten. Eine Sammlung für die Hinterbliebenen erbrachte 55 Mark

„Euer Blut verpflichtet uns…“

Die Delegation des technischen Personals der Sächsischen Staatsoper, das unter den Opfern einen ihrer Arbeitskollegen zu beklagen hat, trug einen Kranz mit dem Gelöbnis: „Euer Blut verpflichtet uns!“

Die Delegation der Belegschaft des Straßenbahnhofes Mickten, die in ihrer Dienstuniform aufmarschierte, brachte einen Kranz, auf dessen roter Schleife die Belegschaft den Opfern gelobte: „Einst werden wir die Richter sein!“ Unter ben Straßenbahnerdelegation fiel besonders die der Belegschaft der Werkstatt Tolkewitz auf.

Weitere Betriebsdelegationen, die besonders kenntlich waren, hatten die Belegschaften des Kaufhauses Reka, Gaswerk Reick, Zigarettenfabrik Monopol, Greiling (Abt. Zigaretten, Tabak und Kartonagen), Reemtsma (Abt. Rohtabak), Kartonagenfabrik Lande -Leibling, Seidel & Naumann, Bleicherei und Färberei Neubert, Asbestwerke Hecker, Schlüterbrotfabrik und viele andere entsandt. Mehrere Delegationen waren auch aus den Betrieben der Kraft-Verkehrs-Gesellschaft erschienen.

Aus ganz Sachsen hatten die Betriebe Delegationen entsandt. So waren allein von den verschiedenen Eisenbahndienststellen und -werkstätten Sachsens 15 Delegationen vertreten, darunter Leipzig, Chemnitz, Zwickau usw. Besonders zahlreiche Betriebsdelegationen waren aus Chemnitz erschienen, die gemeinsam mit den Dresdner Arbeitern aufmarschierten, um die Verbund[…] des gesamten Proletariats im Kampf gegen die faschistische Diktatur zu demonstrieren. Folgende Chemnitzer Betriebe waren vertreten: Elektrizitätswerk, Autounion (Werke Siegmar in Schönau, früher Wandererwerke), Schubert & Salzer, […] & Donner usw. Weitere Betriebsdelegationen hatten entsandt: Vereinigte Kugellagerfabriken, Leipzig, Vomag, Plauen, Steinkohlewerk Zauckerode, Papierfabrik Krause & Baumann, Heidenau und viele andere mehr. Besonderen Eindruck erweckten auch die Delegationen der Zimmererorganisationen […] aus Chemnitz und Dresden, die in ihrer bekannten Berufskleidung und mit ihren Fahnen erschienen waren.

Die vielen Belegschaften und Betriebsdelegationen, die an den ganzen Demonstrationszug verteilt waren, hinterließen den schärfsten Eindruck, weil sie bekundeten, daß der wichtigste Teil des Proletariats sich in die rote Einheitsfront einreiht!“

„Der Schoß ist fruchtbar wieder (noch)“- Ein Nachtrag zum Dresdner Inferno.

Bild: Privates Foto von 1959. Es zeigt die Ruine der Frauenkirche in Dresden. Die Frauenkirche war am 13. Februar 1945 – nach den angloamerikanischen Bomberangriffen zerstört worden.

Ein Herr Boris Pistorius – stets vor Kanonen- und Panzerrohren posierend vor so wunderschöner, das Balkenkreuz hervorhebenden tarnolivgrüner Kulisse – will die Bevölkerung kriegsertüchtigen. Hoffen wir stark, dass er und seine NATO-Kollegen die Rechnung ohne dem Volke machen.

Walter Weidauer schreibt in seiner Vierten Auflage „Über Lügen und Legenden um die Aktion Donnerschlag“ 1983 im Vorwort  „…Siebenunddreißig Jahre ist es her, daß die durch ihre Bauwerke bekannte und wegen der Kunst, die in ihren Mauern eine Heimstatt hatte, auch berühmte Stadt Dresden in Schutt und Asche sank…“und weiter im Vorwort „…die großen imperialistischen Staaten in der NATO unter der Führung der reaktionären, antisowjetischen Monopolgruppen in den Vereinigten Staaten von Amerika gewissenlos einen atomaren Krieg vorbereiten ….“

Er prangert Hans Dollinger an, der in seinem 1973 erschienenen „Schwarzbuch der Weltgeschichte“ über Dresden (wider besseren Wissens W.W.) schrieb „.. etwa eine Viertel Millionen Menschen starben in diesem Inferno, das waren um vieles mehr als die rund hunderttausend Toten von Hiroshima und 40 000 Toten von Nagasaki…“ 

Da haben wir es! Die versuchen doch tatsächlich uns einzureden, ein atomarer Schlagabtausch kann so schlimm nicht ausfallen, wie ein Angriff mit konventionellen Waffen – beispielsweise damals auf Dresden, Magdeburg, Köln oder Hamburg.

Dresden erlebte vier Angriffswellen. Erster Angriff bei völlig bedeckten Himmel und starkem Wind etwa Dreitausend Spreng-, Vierhunderttausend Stabbrand- und zweitausend Flammenstrahlbomben. Bei der zweiten Welle, bei gleichen Witterungsbedingungen, etwa viertausendfünfhundert Spreng-, einhundertsiebzigtausend Stabbrand- und zweitausend Flammenstrahlbomben.

Der dritte Angriff erfolgte bei aufgelockerter Bewölkung und es wurden ungefähr Eintausendfünfhundert Spreng-, fünfzigtausend Stabbrand- und einhundert Flammenstrahlbomben abgeworfen. Bewölkter Himmel beim vierten Luftangriff mit etwa neunhundert Spreng-, fünfunddreißigtausend Stabbrand- und fünfhundert Flammenstrahlbomben.

Elftausendneunhundertsechzehn Wohngebäude einschließlich Wohnbaracken wurden total zerstört und Eintausend fünfhundertfünfundzwanzig Wohngebäude waren schwer beschädigt (Schlußmeldung über die Luftangriffe auf den LS-Ort Dresden am 13., 14. Und 15. Februar 1945 vom 15. März 1945 vom Befehlshaber der Ordnungspolizei – BdO IV: L XI – 231 Nr. – 7/45 geheim).

Der Angriff am 13. Februar begann 21.55  Uhr und dauerte etwa eineinhalb Stunden, die zweite Welle am 14. Februar dauerte von 1.07 Uhr und dauerte bis 01.54 Uhr. Die dritte Welle am 14. Februar, Mittags von 12.10 Uhr bis 12.25 Uhr und  der vierter Angriff auf Dresden ereignete sich am 15. Februar zwischen 12.10 Uhr und 12.25 Uhr.

Weiterhin, wurden drei Krankenhäuser einschließlich Hilfs- und Aushilfskrankenhäuser sowie Privatkliniken, dreiunddreißig Schulen, das Elektrizitäts- und Gaswerk und neun kulturhistorische Bauten völlig zerstört. Außerdem griffen sie Lager- und Speicherhäuser, Mühlen und Trinkwasserwerke an.

Neben der Auflistung zerstörter öffentlicher Gebäude, Kunsteinrichtungen und Firmen werden die Zahlen der Opfer wie folgt angegeben (Stand 10.3.1945); achtzehntausenddreihundertfünfundsiebzig Gefallene, zweitausendzweihundertzwölf Schwerverwundete und dreizehntausendsiebenhundertachtzehn Leichtverletzte. Dreihundertfünfzigtausend Obdachlose. Eine Aufgliederung der Personenverluste nach Geschlechtern ist unmöglich.

Der Lagebericht schildert „Überwiegend handelt es sich aber um Frauen und Kinder“. Die Behörden schätzten auf Grund der Erfahrungen die Gesamtzahl der Toten auf Fünfundzwanzigtausend. Hinzukommen noch fünfunddreißigtausend Vermißtenmeldungen (aus der Lagemeldung 1 404, Berlin 22. März 1945 der Ordnungspolizei). 

Im Teil II der Schlußmeldung über die vier Luftangriffe auf den LS-Ort Dresden am 13., 14. Und 15. Februar 1945 berichtet die Behörde unter Ziel und Taktik: „Die Angriffe, insbesondere die beiden Nachtangriffe überwiegend reine Terrorangriff gegen die dicht bevölkerten Stadtteile.

1. Angriff fast über das ganze Stadtgebiet Feuersturm bereits nach ½ – ¾ Stunde. 2. Angriff mit erhöhtem Sprengbombeneinsatz. Sprengbombenabwurf insbesondere auf die in Flammen stehenden Innenstadt und großer Teile der Gebiete, in welchen die Bevölkerung der Innenstadt vor dem Feuersturm Zuflucht suchte. (Großer Garten und sonstige Grünanlagen, Stadtteile mit offener Bauweise)

Starker Brandbombeneinsatz beim 2. Angriff besonders auf Gebiete, welche beim 1. Angriff vorwiegend mit Sprengbomben belegt worden waren. Die beiden Nachtangriffe müssen teilweise im Tiefangriff geflogen sein, da in den Gebieten der offenen Bauweise die Häuser reihenweise mit Spreng- und Brandbomben belegt wurden und auf den Straßen verhältnismäßig wenig Sprengbombentrichter vorhanden sind…“ und weiter „… Durch die beiden Nachtangriffe das Stadtinnere von Dresden-Altstadt und die angrenzenden Stadtteile sowie die Südvorstadt völlig zerstört. Auch die Stadtteile Johannstadt, Friedrichstadt, Löbtau, Blasewitz, Striesen, Strehlen, Gruna, Plauen, Neustadt u. Antonstadt hierbei schwer getroffen…“

Die beiden Mittagsangriffe am 14. und 15. Februar fanden wieder auf das gesamte Stadtgebiet und besonders auf Löbtau, Friedrichstadt, Cotta und der Leipziger Vorstadt, statt. Beim Mittagsangriff vom 15. Februar waren vor allem die Stadteile Plauen, die Südvorstadt, die Stadtteile Tolkewitz, Laubegast, das Waldschlößchenviertel, die Stadtteile Loschwitz und Oberloschwitz betroffen.

Wörtlich im Bericht „…Beide Mittagsangriffe überwiegend Hochangriffe. Bei allen Angriffen war Bordwaffenbeschuß festzustellen…“Die damals noch von den Nazibehörden abgefassten Berichte geben die Ereignisse wieder. Sie sind teilnahmslos abgefasst, dennoch spricht man schon von reinen Terrorangriffen.

Ab dem Ende des Jahres 1944 zeichnete sich unter der deutschen Bevölkerung ein Sinneswandel ab. Immer mehr Menschen war klar, der Krieg ist nicht zu gewinnen und man wartete, natürlich im Verborgenen, auf die Ankunft der Streitkräfte der Anti-Hitler-Koalition. Das Meinungsbild änderte sich jedoch durch solche Terrorangriffe. War das das Ziel der Anglo-Amerikaner?

Die Sowjetarmee hatte niemals Gleiches zu verantworten. Dennoch versuchte der Westen die Schuld, wie schon erwähnt von sich zu weisen. Wie immer sind andere Schuld. Walter Weidauer ermittelte hierüber unter anderem  folgende Sachverhalte. Im November/Dezember 1943 beschloss die Anti-Hitler-Koalition – Churchill, Roosevelt und Stalin – „Keine Macht der Erde kann uns daran hindern, die deutschen Heere zu Lande, ihre U-Boote zur See und ihre Rüstungsanlagen aus der Luft zu zerstören. Unsere Angriffe werden erbarmungslos und mit steigender Wucht geführt werden“.

Von Angriffen auf Städte oder gar Wohngebiete war keine Rede. In Jalta wurde die Sowjetunion noch deutlicher. Sie lehnte die Bombardierungen von Wohngebieten ostdeutscher Städte durch anglo-amerikanischen Verbände strikt ab. 34 amerikanische und englische hohe Stabsoffiziere waren extra nach Jalta gekommen, um die Vertreter des sowjetischen Generalstabes zu überzeugen.

Aus den Dokumenten und Protokollen der Sitzungen der anglo-amerikanischen Stabschefs in Malta und Jalta geht hervor, dass ohne Zustimmung des sowjetischen Koalitionspartners ostdeutsche Städte in Schutt und Asche gelegt werden sollen. Dresden war eines von vielen Verbrechen. Man  braucht sich nur diese Protokolle anzusehen um die späteren westlichen Behauptungen „Schuld sind die Russen“ (wie immer sind sie an allem Ungemach natürlich Schuld, nicht wahr?), zu widerlegen.

„…Je mehr die Imperialisten nach anderen Länder gieren, um sie auszuplündern, desto mehr versuchen sie ihre eigenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu relativieren. Je lauter sie nach Atombomben und nach Massenvernichtungsmittel schreien, um so öfter versuchen sie, ihre großen Verbrechen an der Zivilbevölkerung, für die Dresden ein besonders eklatantes Beispiel ist, zu vertuschen, von sich abzuwälzen und andere dafür verantwortlich zu machen… „ (Walter Weidauer).

Noch 1965 schrieb die Bundesdeutsche Zeitschrift „Christ und Welt“ über den Angriff auf Dresden: „Der Angriff erscheint als eine Gefälligkeit gegenüber Stalin…“ Die Liste solcher dubiosen Westpublikationen liese sich noch bis ins unendliche verlängern. Lassen wir es. Es zeigt die Verlogenheit der ewigen Kriegstreiber von damals und heute.

Nur noch drei Beispiele die Walter Weidauer arktisch für sein Buch ermittelte und die im besonderen Maße aufzeigen, welche krankhaften Ideen imperialistische und faschistische Kriegesstrategen so alles haben …

Ja! Es ist kein Gerücht. Auf Dresden sollte eine Atombombe geworfen werden. Dresden war seinerzeit eine unzerstörte Stadt und sollte als Testgelände dienen. Die rechneten in der Tat mit sofortigen zweihundert- bis dreihunderttausend Todesopfern. Das Dresden diesem Schicksal entging hat es folgenden Umständen zu verdanken.Die anglo-amerikanischen „Kriegsplaner“ verkalkulierten sich was den Zeitpunkt des Kriegsende anbelangt damals. Zweitens war die Bombe noch nicht einsatzbereit und drittens wollten sie es sich nicht mit der Sowjetunion verscherzen. Sie brauchten sie als Koalitionspartner gegen Japan.  

Nach den Lageberichten verdichten sich die Hinweise, dass Dresden ein Bombenangriff bevorsteht. Diese Einschätzung noch am 13. Februar in den Morgenstunden begründete sich auf die Tatsache mehrerer festgestellten Erkundungsflüge der amerikanischen und englischen Luftwaffe. Der Gauleiter von Sachsen Mutschmann entschied die Bevölkerung nicht zu warnen; sich selber aber brachten die Nazibonzen, sowie ihr Hab und Gut rechtzeitig in Sicherheit. Ohne Not wären zehntausend Menschen zu retten gewesen, hätten sie sie gewarnt.  

Es wird behauptet, der Londoner Rundfunk habe im Vorfeld die Dresdner Bevölkerung gewarnt. Das ist eine Lüge. Es wurden keinerlei derartige Tondokumente gefunden. Gewarnt wurde die deutsche Bevölkerung allerdings schon 1932 durch die Kommunisten, was auf das Volk zukäme, würde Hitler an die Macht kommen. Sie warnten vor den imperialistischen faschistischen Raubzügen und deren Konsequenzen.

Aus einem Protokoll der Befragung von Alexander Mackowsky, persönlicher Mitarbeiter Mutschmanns als Augen- und Ohrenzeuge beweisen:

Frage: Hat die Führung der NSDAP etwas vom bevorstehenden Angriff auf Dresden am 13./14. Februar gewußt?

Antwort: Ja, sie hat gewußt, daß wir mit einem schweren Angriff rechnen mußten … Damit haben ja alle parteilichen Stellen gerechnet, im Gegensatz zur Bevölkerung, wo bei einem ganzen Teil die Meinung bestand, daß Dresden verschont wird. Ich erinnere nur an den Witz: Churchills Tante wohnt in Dresden und ähnliche Dinge …“

Des weiteren gib er an, Mutschmann und Walter (Kreisleiter) waren sich einig darin die Bevölkerung nicht zu warnen „…dann bleiben sie schön ruhig…“

An der Verlogenheit imperialistischer Raubkriegstreiber hat sich bis heute nichts geändert. Die russische Außenamtssprecherin Mariaja Sacharowa meinte am 16. Januar 2024 in einem Interview, japanische Jugendliche würde heute gar nicht mehr wissen, dass es die USA waren die über Hiroshima und Nagasaki Atombomben abwarfen.

Man lehrt es ihnen nicht mehr in den Schulen. Sie kamen einfach vom Himmel gefallen. Die Menschen würden einfach umprogrammiert. Und die Vorsitzende der Europäischen Union behauptete sogar dreist, es war Rußland die für die Atombombenabwürfe auf Japan verantwortlich waren. Das ist genau das, was Walter Weidauer schon 1982 sagte.

Im Jahre 1983, als die USA meinte sich als Richter der Welt über alles und jeden aufspielen zu können und sogar mit der Führung eines „begrenzten“ Atomkrieges liebäugelten, stieg die Verunsicherung unter den Menschen in Europa. Das Politbüro der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands entschied, dass die Erhaltung des Friedens Vorrang vor allen anderen Fragen hat.

Frieden war für uns in der DDR das erste Menschenrecht. Dafür, so das Politbüro, sollte mit allen zusammengearbeitet werden die das gleiche Ziel verfolgen, über Trennendes hinweg, ungeachtet unterschiedlicher politischer Programme, weltanschaulicher Positionen und religiöser Bekenntnisse (aus Egon Krenz Gestaltung und Veränderung, Seite 134).

Auferstanden aus Ruinen war unsere Losung und so machten wir es. In Dresden wurde ab 1945 bis 1981 jede dritte Wohnung neugebaut. Im Zeitraum zwischen 1971 und 1980 entstanden siebentausendsiebenhundertdreiundsechzig Kindergartenplätze, dreitausendsechshundertdrei Kindergrippenplätze, neununddreißig Schulen, und unter anderem auch dreihundertvierundachtzig ärztliche Arbeitsplätze.

Nur wir in der DDR haben mit den Kriegsgewinnlern und Kriegsverbrechen aufgeräumt. Wir nahmen das Ernst mit dem „Nie wieder darf von deutschem Boden Krieg ausgehen!“Im Westen durften sie ihre Blutprofite weiterhin genießen. Bereits ab 1944 versuchten deutsche Imperialisten ihren Frieden mit ihren amerikanischen Klassenbrüdern zu machen.

Ausschließlich zu diesen Zweck trafen sich Otto und Hugo Stinnes als Beauftragte der deutschen Kohle- und Stahlmagnaten mit Gesandten US-amerikanischer Monopolisten in Stockholm.

Rainer Hesse

Volkskorrespondent

Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus, von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen!

Bild: Der teuflische Plan ist ausgeführt. Fast 15 km² des Zentrums von Dresden sind totalzerstörtaus: Weidauer, Walther. Inferno Dresden: über Lügen und Legenden und die Aktion ,Donnerschlag‘. (4. durchges. und erg. Auflage) Dietz Verlag. Berlin 1983

Der Autor dieser Zeilen gehört der Generation an, die noch auf Überlebende des Dresdner Infernos vom 13. Februar 1945 traf. Sie arbeiteten später als Köchin einer Wochenkindergrippe, als Ermittler der Dresdner Kriminalpolizei im VPKA, als Klassenleiterin einer Polytechnischen Oberschule, als Schlosser, als Elektriker im Bahnbetriebswerk Dresden, als Ratsmitglied des Rates des Stadtbezirkes West der Stadt Dresden oder als Rentner. Alle diese Augenzeugen berichteten stets das Gleiche. 

Von den Phosphorbomben die über dem Stadtzentrum abgeworfen worden, dem darauf entfachten höllischen Feuer, dass allen Sauerstoff der Umgebung mit samt Mensch und Tier aufsog. Davon, dass Menschen pulverisiert wurden und, dass darum die Ermittlung der tatsächlichen Opferzahlen unmöglich war. Es blieb von den bedauernswerten Opfern einfach nichts mehr übrig.

Menschen, die mit dem Phosphor in Berührung kamen und es bis in die Elbe schafften, konnten da nicht lang bleiben. Es war zu kalt. Kamen sie raus, brannten sie weiter und starben einen qualvollen Tod. Deren Schreie gingen durch Mark und Knochen. Zum Zeitpunkt des Angriffes war die Stadt voller Flüchtlinge aus Kohlberg und Umgebung. 

Sie waren im Großen Garten und an den Elbufern, wo sie von Tieffliegern angegriffen worden. Alle diese Berichte ließen mir das Blut in den Adern gefrieren. Aber alle Augenzeugen waren sich einig; Das darf nie wieder passieren, nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus und von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen. 

Keiner hegte irgendeinen Groll gegen die Angreifer. Ein Augenzeuge war Viktor Klemperer. Er und seine Frau sollten an jenem Tag ins KZ deportiert werden und so konnte er in seinem Tagebuch von dem Inferno berichten. Zu seiner Deportation kam es nicht mehr. Im Bildband von Kurt Schaarschuch „Bilddokument Dresden 1933 – 1945“ des Rates der Stadt Dresden bringt es Kurt Liebermann in seinem Geleitwort vom Dezember 1945 auf den Punkt:

„Die Trümmer einer der schönsten Städte der Welt rufen die aufbauwilligen Kräfte zum Neuaufbau. Das Bild unserer Stadt, das ihr durch Jahrhunderte den eigenen Reiz verlieh, soll nicht nur Verlust und Schaden deutlich werden lassen, nicht nur die Erkenntnis der Schuld der Nazikriegstreiber vertiefen, sondern zur tätigen Mitarbeit anspornen. Fassen wir nun alle freudig an, tun wir gemeinsam unsere Pflicht, um somit teilzuhaben am Aufbau einer neuen Zeit, jeder an dem Platz, an den er gestellt worden ist. Seien wir uns dessen bewusst, daß es uns nur in gemeinsamer Arbeit, wo ein jeder Einzelne seine volle Kraft zum Einsatz bringt, gelingen kann, eine neue, glückliche und lichte Zukunft aufzubauen“. 

Es waren vorwiegend Frauen, die mit der Beräumung der Trümmer begannen und Ziegel putzten und stapelten. Vergessen wir nicht, es gab kaum etwas zu essen in jener Zeit und dennoch kamen sie, um Platz für den Wiederaufbau und somit die Grundlagen für einen Neuanfang zu schaffen. 

Sie fanden eine Würdigung ihrer fleißigen Arbeit in der Plastik „Die Trümmerfrau“ des Bildhauers Walter Reinhold vor dem Goldenen Tor des Dresdner Rathauses. Das Denkmal ist heute noch zu besichtigen. Bisher ist sie der Bilderstürmerei noch nicht zum Opfer gefallen. Kurt Liebermann beschreibt den damals herrschenden Geist zutreffend und dies wurde in der Deutschen Demokratischen Republik zur Staatsdoktrin. 

Die Losung „Nie wieder Krieg – nie wieder Faschismus“ war uns Herzenssache. Damit verbunden war die Haltung in der DDR so, dass keinerlei Aufrechnung, vor allem hinsichtlich der Opfer und deren Leid, gemacht wurde.

Es war der deutsche Faschismus der den Luftterror gegen die Zivilbevölkerung erfand. Zu nennen sind da beispielgebend Rotterdam oder Coventry. Unvergessen Leningrad.

Der Krieg ist dorthin zurückgekehrt von wo er ausgegangen war. Das war unsere Antwort auf die Schuldfrage. Wir haben keine Politik damit gemacht. Revanchismus war uns fremd. Wir haben nicht das Andenken an die Opfer  missbraucht so wie es heute leider Gang und gäbe ist.

In unseren Lehrbüchern, im Geschichts- und Staatsbürgerunterricht wurde das Thema selbstverständlich behandelt. Neben Dresden und Magdeburg haben wir im gleichen Atemzug westdeutsche Städte wie Hamburg oder Köln genannt.

Es war nie geplant die Frauenkirche wieder aufzubauen. Die Ruine sollte uns Mahnmal für die Zerstörung Dresdens und zugleich Mahnung gegen den Krieg sein. Vor der Ruine der Frauenkirche gab es anlässlich eines jeden Jahrestages der Zerstörung Dresdens am 13. Februar Kranzniederlegungen. 

Diese Mahnungen gegen Krieg und Faschismus fanden bis zum Jahr 1989 statt. Grundorganisationen der Freien Deutschen Jugend (FDJ) und Thälmannpioniere aus den Schulen kamen, um Kränze niederzulegen. 

Das waren außerschulische Veranstaltungen. Die FDJ war außerordentlich engagiert. Unsere Jugendorganisationen hat man also nicht hingeschickt. Sie waren aus freien Stücken dort, weil ihnen der Erhalt des Friedens Herzenssache war. Auch in der DDR läuteten jeden 13. Februar um 20.45 Uhr die Glocken als Mahnung. Auf dem Dresdner Heidefriedhof sind ebenfalls Kränze niedergelegt worden.   

Die Art und Weise des Gedenkens war zukunftszugewandt, ganz so wie aus der Nationalhymne der Deutschen Demokratischen Republik „Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt“ und Kurt Liebermanns Geleittext vom Dezember 1945. So, und nur so war die Erinnerungskultur anlässlich des 13. Februar in Dresden. Die Berichte Überlebender waren am Ende mit der Grund dafür, dass die Dresdner genauso diese Erinnerungskultur wollten und mittrugen. Wir waren da bewusst sehr, sehr zurückhaltend. 

Natürlich gab es Bestrebungen des Westens diese Ereignisse für ihre eigenen Interessen zu missbrauchen. Das Internet ist heute voll davon. Schließlich hat eine überwältigende Mehrheit der Dresdner diese Art des Gedenkens und die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen, getragen. Die Kirchen übrigens auch.

Warum waren wir so zurückhaltend? Wir waren es darum, weil eine Aufrechnung von Opfern unter der Zivilbevölkerung durch „nur“ Brandbomben eine Akzeptanz für Kernwaffen, ganz im westlichen und revanchistischen Sinne, gefördert hätte. Das war nicht unsere Intentionen. Für uns war die Schuldfrage klar. Der Westen dachte, hier ein politisch ideologisches Einfallstor gefunden zu haben.

Im Jahre 1956 erhielt Dresden aus der Sowjetunion aufwendig restaurierte Kunstwerke, vor allem Gemälde der Galerie „Alte Meister“ zurück. Dafür sind wir ihnen noch heute ehrlichen Herzens außerordentlich dankbar.

Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen. Heute gilt das offenbar nicht mehr. Flieger mit dem Balkenkreuz bombardierten Jugoslawien, trafen zivile Infrastruktur und Chemiebetriebe mit verheerenden Folgen. Deutsche Panzer stehen wieder an der russischen Grenze, bereit erneut wieder gegen Russland zu rollen. Deutschland müsse kriegstüchtig werden. Überall in der Welt sind schon wieder deutsche Soldaten anzutreffen.

Feuchte Umsturzpläne in missliebigen Ländern, Militarisierung der Innen- und Außenpolitik. Das ist die heutige Realität. Wir lehnen diese Politik ab. Der Gegner steht eben im eigenen Land. Wir bleiben bei unserer Forderung „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“ und vor allem „von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen“. Besinnt man sich auf die vormalige Erinnerungskultur, so hebt sich das so wohltuend von dem heute jetzt und hier ab. Deshalb sind wir aber noch lange keine „Ewiggestrigen“, sondern Realisten.

 

Rainer Hesse

DKP Sachsen

Volkskorrespondent

13. Februar in Dresden

– Faschismus und Imperialismus heißt Krieg! –

Um die Zeit des 13. Februars ist Dresden jedes Jahr Anlaufpunkt verschiedenster faschistischer und rechter Organisationen.

Zwischen dem 13. und 15. Februar 1945 hatten britische und US-amerikanische Luftstreitkräfte die Stadt Dresden bombardiert. Mindestens 25.000 Menschen starben. Dresden war eine wichtige Garnisonsstadt und ein infrastrukturelles Zentrum für die Versorgung der Front im Osten. Auch Deportationen in die Vernichtungslager im Osten waren über die Bahnhöfe der Stadt abgewickelt worden. Die Nazis nutzten die Angriffe für ihre Propaganda, indem sie den Mythos der „unschuldigen Kunststadt“, Geschichten über angebliche Tieffliegerangriffe und völlig überhöhte Zahlen von bis zu 250.000 Todesopfern in die Welt setzten.

Diese Legenden halten sich bis heute in der Stadt. Auch an dem folgenden Wochenende werden rund um den 13. Februar Alte und Neue Nazis nach Dresden kommen, um ihre faschistische und geschichtsrevisionistische Propaganda auf die Straße zu tragen.

Dresden Wi(e)dersetzen! hat einiges an Aktionen geplant. Haltet euch auf deren Kanal am Laufenden. Am 11. Februar daher Naziaufmärsche stoppen! https://t.me/DDNF2020
12 Uhr Hauptbahnhof
12 Uhr Bahnhof Mitte
13 Uhr Sachsenplatz

Die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend Dresden veranstaltet außerdem am morgigen Samstag, am 10.02.2024 um 12 Uhr einen Stadtrundgang zur Gedenkkultur der DDR zum 13. Februar. Treffpunkt ist „die Trümmerfrau“ am Rathaus. Kommt vorbei!

Bei all diesem Aktionismus dürfen wir aber nicht vergessen, von wem die Rechtsentwicklung in diesem Land ausgeht. Es sind die bürgerlichen Parteien in den Parlamenten, die reaktionäre und volksfeindliche Gesetze erlassen und so den Weg zum Faschismus ebnen. Diese Parteien vertreten die Interessen der großen Banken und Konzerne…

Gedenken für die ermordeten Antifaschisten im Keglerheim

Wann? 28.01.2024 um 10 Uhr
Wo? Weißeritzstraße 1, Gedenktafel

Die Veranstaltung wird vom KAD (Kommunistisches Aktionsbündnis Dresden) organisiert. Die DKP ist ein Teil dieses Bündnis.

Zum geschichtlichen Hintergrund:

In Dresden führte die KPD am 25. Januar 1933 eine Protestaktion auf dem Bönischplatz, auf der zur Einheitsfront gegen den Faschismus aufgerufen wurde, durch. Dieser Aufruf richtete sich an die sozialdemokratischen Arbeiter, deren Führung aufgrund ihrer defensiven Haltung Verrat an den Interessen der Arbeiterklasse vorgeworfen wurde.
Nach Abschluß der Kundgebung formierte sich ein Zug von ca. 1.200 Arbeiter, der zum Keglerheim in die Friedrichstrasse zog.

Die Polizei versuchte mehrfach den Zug aufzulösen. Der Saal im Keglerheim war mit einer geschätzten Besucherzahl zwischen 600 bis 800 Menschen völlig überfüllt. Der Referent „Fraedrich“ – Mitglied der KPD – sprach über die Krise, die volksfeindlichen Maßnahmen der Regierung und über die Rolle der Nazis in der Politik der Bourgeoisie. Als der Redner den Terror der Nazis anprangerte, wurde mit polizeilicher Gewalt die Versammlung aufgelöst. Hierbei fielen von Seiten der faschistischen Polizei Schüsse, die 9 Tote, 12 Schwerverletzte und zahlreiche Leichtverletzte unter den Arbeitern forderten.

Die Tageszeitung „Junge Welt“ hat einen Artikel zu dem Ereignis veröffentlicht: https://www.jungewelt.de/artikel/443255.weimarer-republik-massaker-im-keglerheim.html

Gedenktafel mit folgender Aufschrift:

Am 25. Januar 1933 geriet eine Versammlung des Kampfbundes gegen den Faschismus durch das Eingreifen der Polizei zu einem Blutbad. Neun Arbeiter fanden den Tod.

Wir werden nie mehr antreten auf einen Pfiff hin und Jawohl sagen auf ein Gebrüll.

Wolfgang Borchert

Die „Arbeiterstimme“ – Tageszeitung der KPD Sachsen titulierte am 26. Januar 1933 ihre Zeitung mit „Neun Arbeiter erschossen!“

Neun Arbeiter erschossen!

Unerhörtes Blutbad in einer Dresdner Arbeiterversammlung. 9 Tote, 12 Schwerverletzte und ungezählte Leichtverletzte als Opfer der blutigen Polizeiaktion. Empörungssturm unter den Massen. Arbeiter, heraus zum schärfsten Massenprotest. Belegschaften, vorwärts zum Streik!

Dresden, den 26. Januar 1933.

Gestern abend richtete die Dresdner Polizei unter den in einer Massenversammlung des Kampfbundes gegen den Faschismus im Keglerheim zusammengeströmten Arbeitermassen ein furchtbares, unerhörtes Blutbad an, dem neun Arbeiter zum Opfer gefallen sind. Außer neun erschossenen Klassengenossen kommen noch über zwölf meistens schwerverletzte Arbeiter und Arbeiterinnen auf das Blutkonto der Dresdner Polizei. Unter den Dresdner Arbeitern herrscht grimmige Erbitterung und ungeheure Empörung und Erregung, die schon in den frühen Morgenstunden des heutigen Tages in spontanen Protestdemonstrationen in den Arbeitervierteln zum Ausdruck kam.

Auch in den Betrieben hat sich die schändliche Tat der Polizei bereits in den heutigen Morgenstunden unter den Beleg schaften verbreitet, die auf das Blutwerk der Polizei, auf die Erichießung ihrer Klassengenoffen, mit Proteststreik antworten müssen.

Schon als die Dresdner antifaschistischen Arbeiter am gestrigen Nachmittag in machtvollen Kolonnen nach dem Bönischplatz zogen, kam es – wie wir an anderer Stelle ausführlich darstellen – immer wieder zu unerhörten Provokationen der Polizei, die auch die Züge beim Hinmarsch wie auch im Abmarsch wiederholt sprengten und auf solche Weise die antifaschistischen Massen auf das unerhörteste provozierten.

Der Gipfel der Provokation – das war die von der Polizei erfolgte willkürliche Auflösung der Massenversammlung im Keglerheim, welche gestern im Anschluß an die machtvolle Demonstration stattgefunden hat.

In dieser Versammlung saßen und standen gewaltige Massen dicht aneinandergedrängt. Schon lange vor Beginn vermochte der Saal die anströmenden Massen nicht zu fassen.

Da geschieht die erste Provokation. Die Polizei verweigert die Oeffnung der Galerie und gibt erst unter dem Drucke der immer neu herzuströmenden Massen nach langer beharrlicher Weigerung die Galerie für die Versammlungsbesucher frei.

Die Versammlung verlief – wie uns Augenzeugen dutzende Male bestätigt haben – in vollster Disziplin und Ordnung.

Als der Referent zu dieser Versammlung schließlich den Terror und die unaufhörlichen Provokationen der faschistischen Mordbanden anprangert und sie mit dem wuchtigen Einsatz der Massenkraft des Proletariats zu beantworten auffordert, nimmt die Polizei dies zum Anlaß, die Versammlung für aufgelöst zu erklären.

Das Echo: Ungeheurer Protest und höchste Empörung! Da drängt und schiebt sich die schon vorher in anderen Räumen des Lokals untergebrachte Polizei in den Saal, um die Massen rücksichtslos beiseite zu schieben und sich den Weg zur Bühne zu bahnen. Die Wut und der Ingrimm der Versammlungsbesucher über solch rücksichtslose Polizeiaktion steigt und äußert sich in entrüsteten Zurufen.

Von der Galerie herab rufen Genossen im Sprechchor den höchst entrüsteten Arbeitern zu, die Ruhe zu bewahren und Disziplin zu halten. (Selbst die Dresdner Nachrichten müssen das zugeben.)

Trotz alledem steigert die Polizei die Empörung zur Siedespitze, indem sie sogar die Revolver zieht und anschlagbereit gegen die Massen hält. Und nun eröffnet einer der Beamten auf die mittlerweile bereits abziehenden Massen rücksichtsloses Revolverfeuer. Da beginnen auch die übrigen auf die nach allen Ausgängen zuströmenden und sich hier Ausweg verschaffenden Massen zu schießen.

Auch dazu müssen die Dresdner Nachrichten zugeben, daß der Saal sich schon bis auf etwa ein Drittel geleert hatte, als die Polizei auf die Massen zu schiessen begann. Etwa 80 scharfe Schüsse wurden auf die Arbeiter abgefeuert. Im Nu wälzen sich zahlreichen Arbeiter und auch Arbeiterinnen, vor Schmerzen schreiend, am Boden. Fünf sind auf der Stelle tot, vier andere schwer verletzte Arbeiter sterben teils auf dem Transport und teils im Krankenhaus. In großer Zahl wälzten sich außerdem zahlreiche schwerverletzte Arbeiter und Arbeiterinnen in ihrem Blut.

Das ist das Werk der Dresdner Polizei, über das wir noch eingehend und ausführlich an anderer Stelle Augenzeugenberichte veröffentlichen.

Die Bluttat der Dresdner Polizei ist nach der Erschießung der drei Kölner Arbeiter eine weitere Blutspur, die zu noch schärferer Entfaltung der faschistischen Diktatur in Deutschland führen soll.

Aber auch diese Bluttat wird das, was sich gestern im gigantischen Aufmarsch der Berliner Arbeiter offenbarte, nicht zu verhindern imstande sein: die immer schärfer anschwellende und machtvoll vorwärts marschierende antifaschistische Kampesfront, die die Dresdner Arbeiter angesichts der Leichname ihrer Klassengenossen und angesichts der großen Zahl der verletzten Arbeiter noch fester and geschlossener formieren.

Schon haben die Arbeiter in aller Morgenfrühe des heutigen Tages mit spontanen Demonstrationen auf die Bluttat der Dresdner Polizei geantwortet. Die Empörung und Erregung über dieses Massaker brandet in den Arbeitervierteln höher und höher! Sie greift auch auf die Betriebe über. Heute veröffentlichen wir die Resolution des Betriebsrates des Eltwerkes. Morgen muss aus jedem Betrieb das Echo erschallen:

Prosteststreik gegen das Polizeimassaker!

Dieser Proteststreik muß auf der Stelle von allen Dresdner Belegschaften entfaltet werden. Er muss mit betrieblichen Protestkundgebungen verbunden werden und er muss die entscheidendsten Forderungen nachdrücklich bekräftigen, die sich nach diesem Blutbad als Selbstverständlichkeit für alle Arbeiter ergeben:

Fort mit Palitzsch, Pfotenhauer und Einert!* Sofortige Dispensierung und Beftrafung aller schuldigen Beamten!

Stellt man die Bluttat von gestern, diesen rücksichtslosen Aderlaß an revolutionären Arbeitern der unerhörten Schonung der faschistischen Mordbanden durch die Dresdner Polizei gegenüber, wie sie im Fall Hentsch so deutlich in Erscheinung trat, dann ist diese Forderung für jeden klassenbewußten Arbeiter als eine glatte Selbstverständlichkeit erkennbar.

Jetzt heißt es: In Massen heraus, Betriebsarbeiter und Erwerbslose!

Proteststreik – das ist die Losung, für die die Belegschaften auf der Stelle mobil gemacht werden müssen.

Proteststreik […] am Tage der Beerdigung. Entsendung von Delegationen aus den Betrieben und aus allen Arbeiterorganisationen an diesem Tage der Bestattung unserer erschossenen Klassengenossen.

In diesem Sinne: Heraus in kämpfender Einheitsfront gegen die Erschiesung der Dresdner Arbeiter und gegen das ganze blutige System der faschistischen Diktatur!“

* Johannes Palitzsch war von 1931-1933 Dresdner Polizeipräsident; Fritz Pfotenhauer war ab 1928 stellvertretender Polizeipräsident von Dresden

„Arbeiterstimme – Tageszeitung der KPD. Sektion der Kommunistischen Internationale. Bezirk Sachsen“  (26.01.1933, S.1)

Überlegungen und Gedanken zu den aktuellen Anti-AfD-Demonstrationen

Am Samstag finden bundesweit und auch Sachsen – in Chemnitz, Döbeln,  Dresden, Freiberg, Görlitz, Leipzig, Meißen, Pirna, Radeberg und Torgau – Demonstrationen zum Thema „Zusammen gegen Rechts! “ statt

Nach der Recherche und den Enthüllungen von correctiv zu einem Treffen von Rechtsextremen aus unter anderem AfD- und CDU-Mitgliedern mit Geldgebern aus Industrie haben vielen Menschen die Gefahr von rechts vor Augen geführt.

Die bisherigen Demonstrationen in Potsdam und Berlin haben gezeigt wie viele Menschen im Kampf gegen rechts (gegen Fremdenfeindlichkeit und für Toleranz und gegen die AfD) mobilisiert werden können. Das ist gut und sollte unterstützt werden.

Allerdings wollen wir auch unsere Kritik zu der Bewegung darlegen und warum wir uns dieser nicht einfach anschließen können, denn die Proteste werden auch von den Ampelparteien bzw. ihren Jugendorganisationen organisiert.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich größtenteils die AfD, Anti-AfD-DemonstrantInnen, Kapital und Regierung bislang im Kriegskurs einig sind. Diese Harmonie ist die unmittelbare Gefahr für die Republik.
So werden die wahren Ursachen der bisherigen Rechtsentwicklung verschleiert. Den bisherigen Sozial- und Demokratieabbau hat eben nicht die AfD zu verantworten.

Es sind die Parteien der Ampelkoalition – Grüne, FDP und SPD – sowie die aktuelle „Oppositionspartei“ CDU, die diese Politik und das Erstarken der AfD zu verantworten haben. Diese Parteien haben enorme Kürzungen im Haushalt in den Bereichen Soziales, Umwelt, Bildung und Forschung sowie Gesundheit vorgenommen.

Diese „demokratischen“ Parteien haben das bisher größte Aufrüstungsprogramm des deutschen Imperialismus seit dem Zweiten Weltkrieg beschlossen. Insgesamt sollen mehr als 100 Milliarden € Sondervermögen und 51,8 Milliarden € im Bundeshaushalt 2024 für Aufrüstung und Kriege ausgegeben werden.

Auch haben diese Parteien die gewaltigen Strafrechtsverschärfungen zu verantworten, um den Meinungskorridor – ob nun aufgrund des Krieges in der Ukraine oder im Gazastreifen – einzuschränken und jegliche Opposition – ob nun als Palästinasolidaritätsbewegung oder gegen die Aufrüstung und Kriegsvorbereitung – im Sinne der Staatsräson zu bekämpfen.

Auch diese Parteien haben die Abschieberegelungen verschärft und ein quasi legales Einreisen von Menschen auf der Flucht verhindert und stattdessen eine Kriminalisierung von diesen Menschen voran getrieben. Diese Parteien haben Frontex an den europäischen Außengrenzen verstärkt und behindern die wichtige Arbeit ziviler Notrettungsorganisationen im Mittelmeer. Das massenhafte Sterben im Mittelmeer und an den Grenzen Europas sind zum Teil in der Verantwortung der Regierenden in diesem Land zu suchen.

Es ist die Politik der SPD, FDP, Grünen und CDU, die für die Verschlechterungen in diesem Land durch das Abwälzen der Kriegs- und Krisenlasten auf die arbeitende Bevölkerung verantwortlich sind. Die AfD dient dabei als Stichwortgeber.

Um die Rechtsentwicklung zu stoppen, braucht es breiten gemeinsamen Widerstand aller Betroffenen gegen die Kriegspolitik und das Abwälzen der Kriegs- und Krisenlasten auf die Bevölkerung.

Hier sind vor allem die Gewerkschaften in der Verantwortung, die aber leider den aktuellen Kurs der Regierung mittragen. Der Widerstand muss sich gegen die große Kriegskoalition aus Ampelregierung, Union und AfD richten– Sie alle handeln im Sinne des Monopolkapitals.

Trotzdem und gerade deswegen werden wir als Kommunistinnen und Kommunisten an den Demonstrationen teilnehmen, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Von den Inhalten dieser Bewegung müssen wir uns allerdings klar abgrenzen, denn diese „antifaschistischen und demokratischen“ Veranstaltungen erweisen dem deutschen Monopolkapital einen Bärendienst, denn diese verschleiern die wahren Verantwortlichen für die Politik in diesem Land. Mit ihr werden wir eben kein Bollwerk gegen den Faschismus haben. Stattdessen wird durch die Bindung weiter Teile der Bevölkerung an die Regierung ein wirklich antifaschistischer Kampf verhindert!

„Unbequem“ – für wen?

Das sowjetische Ehrenmal in Dresden erinnert an die Befreier der Stadt. Den Stadtoberen ist es ein Dorn im Auge

Denkmalsturm hat Konjunktur. Das gilt nicht nur für die Ukraine, wo Nationalisten und Faschisten Kulturgüter mit russischen oder sowjetischen Bezügen zerstören. Auch in Deutschland arbeitet das von „westlichen Werten“ beseelte Bürgertum an der Umschreibung der Geschichte. Dabei vereinen sich Russophobie, revanchistische Träume und Heimatfrontgefasel zu einer unseligen Mixtur. Ein anschauliches Beispiel dafür ist der aktuelle Versuch, das So­wjetische Ehrenmal in Dresden neu zu „kontextualisieren“.

Seit seiner Errichtung hat das Ehrenmal eine besondere Bedeutung für Dresden und über die Stadt hi­naus. Es wurde am 25. November 1945 eingeweiht und war das erste sowjetische Denkmal, das nach dem Krieg auf deutschem Boden errichtet wurde. Bis heute erinnert es an die im Kampf getöteten sowjetischen Befreier aus der 5. Gardearmee. Die Inschrift am Sockel lautet übersetzt: „Ewiger Ruhm den Kämpfern der Roten Armee, die in den Kämpfen gegen die deutschen faschistischen Eroberer für die Freiheit und Unabhängigkeit der sowjetischen Heimat gefallen sind.“

Schon im Jahr 1990, im Zuge der Annexion, kamen Überlegungen auf, das Ehrenmal vom belebten Platz der Einheit (heute Albertplatz) zu entfernen. Im Jahr 1994 wurde der Plan in die Tat umgesetzt und das Denkmal auf den Vorplatz des militärhistorischen Museums der Bundeswehr versetzt und damit ins Abseits gestellt. Für eine Weile kehrte Ruhe ein. Im Jahr 2020 berichtete die Stadt dann über den baufälligen Zustand des Ehrenmals.

Ein Jahr später lag ein Sanierungskonzept vor. Dem Stadtrat wurde empfohlen, 126.000 Euro bereitzustellen, um das Ehrenmal zu erhalten. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sahen lediglich Reparaturen, aber keine Umgestaltung vor. Doch weitergehende Absichten ließen sich schon damals erahnen. In der Vorlage hieß es, das Ehrenmal zeige „unverkennbar militaristische und idealisierte Darstellungen mit heroischem Pathos und dokumentiert so auch den Charakter des stalinistischen Systems und Besatzungsregimes, indem es als Siegermonument stilisiert wurde“.

Mit dem Haushaltsbeschluss für die Jahre 2023 und 2024 wurden die geforderten 126.000 Euro zur Verfügung gestellt – allerdings nicht für eine Sanierung, sondern für eine „Kontextualisierung“. Was genau verändert werden sollte, wurde nicht definiert, wie aus einem Antrag der FDP geschlossen werden kann, der im Dezember des vergangenen Jahres eingebracht wurde. Dieser fordert die Gründung einer Arbeitsgruppe, um ein „Konzept zur historischen Kontextualisierung“ auszuarbeiten.

In der Begründung setzte die Fraktion die geschichtsvergessene Einschätzung der Stadt fort und erweiterte sie um ein bisschen „Zeitenwende“: „Drei Jahrzehnte nach Abzug der ehemaligen Okkupationsarmee und angesichts des gegenwärtigen Krieges in der Ukraine gibt es im öffentlichen Raum Diskussionen um die weitere Erhaltung des Denkmals“, heißt es darin.
Im März dieses Jahres wurde der FDP-Antrag einstimmig im federführenden Kulturausschuss beschlossen und in den Stadtrat verwiesen. Dort wurde er bereits fünf Mal vertagt, weil der Dresdner Stadtrat seit Monaten daran scheitert, seine Tagesordnung abzuarbeiten.

All das vollzog sich weitgehend jenseits der Öffentlichkeit. Zum Eklat kam es ausgerechnet am 8. Mai 2023. Zur Überraschung der Besucher, die jedes Jahr der Befreiung gedenken, fanden sie das Ehrenmal verändert vor. „Dieses Gebilde ist fragil“, stand auf den rot-weißen Warntafeln, die direkt am Korpus des vorgeblich baufälligen Denkmals angebracht waren. Eine Kunstinstallation, die nach Mitteilung der Stadt auf „die notwendige historische Kontextualisierung“ aufmerksam machen sollte. Damit solle „an die erinnerungskulturellen Bemühungen ‚Unbequeme Denkmäler‘“ angeknüpft werden.

„Wer sich der Auseinandersetzung damit verweigert, versteht die Zeichen der Zeit nicht“, erklärte Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch von der Partei „Die Linke“.
Die „Zeichen der Zeit“ verstanden die Bürgerinnen und Bürger vor Ort sehr wohl. Augenzeugen berichteten empört von der städtischen Veranstaltung, bei der revisionistische Erzählungen, „Performance Art“ und die Erklärung, dass das Denkmal unverständlich wäre, weil niemand Kyrillisch lesen könnte, eine Rolle spielten.

Nur zwei Tage später, in der Nacht vom 10. auf den 11. Mai, wurden die Warnschilder von Unbekannten entfernt. Eine politische Diskussion darüber, wie das Ehrenmal zukünftig in Szene gesetzt werden soll, wurde bis heute nicht organisiert. Der Antrag der FDP stand zuletzt am 6. Juli auf der Tagesordnung des Dresdner Rates – er wurde erneut vertagt.

Der 8. Mai – Tag der Befreiung vom Faschismus in Sachsen

Am 8. Mai 1945 wurde Deutsch￾land vom Faschismus durch die Armeen der Anti-Hitler-Koalition befreit. Das verbrecherische Naziregime war besiegt, der Krieg in Europa beendet. Das Gedenken an die Opfer des Vernichtungsfeldzuges gegen die Sowjetunion, des millionenfachen Mordes durch die Terrorherrschaft der Faschisten, des barbarischen Kolonialismus und des Weltkriegs sind uns für immer Mahnung: Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!

In Sachsen waren Genossinnen und Genossen an einigen Kundgebungen dabei, um die Befreier von Krieg und Faschismus zu ehren!

Gedenken in Rochlitz 

Am 8. Mai war die DKP bei zwei Gedenkveranstaltungen in Leipzig: mit der SDAJ und Rotes Leipzig auf dem Süddfriedhof und mit der Kommunistischen Organisation, der VVN- BdA und dem Bündnis „Leipzig gegen Krieg“ auf dem Ostfriedhof. 

Es wurde den Heldinnen und Helden des Widerstands und der Roten Armee gedacht.

In Dresden beteiligte sich die DKP an der Ehrung der Sowjetsoldatinnen und -soldaten am Denkmal der Roten Armee auf dem Olbrichtplatz.